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Krankheitsbilder

Beugesehnenverletzungen
die Beugesehnen der Finger und des Handgelenkes werden meist bei Schnittverletzungen durchtrennt und sollten dann möglichst frühzeitig genäht werden.


Nachbehandlung:
Verletzte Beugesehnen neigen dazu, im Rahmen der Heilung mit den umgebenden Geweben zu verwachsen, was zu Bewegungseinschränkungen führt. Dies kann durch eine frühzeitig einsetzende Bewegungstherapie verhindert bzw. verringert werden. Andererseits muss die Sehnennaht vor einer zu starken Belastung geschützt werden, um zu verhindern, dass sie reißt. Das erfordert die intensive krankengymnastische Anleitung und disziplinierte Mitarbeit des Patienten. Ohne Motivation und selbständiges Üben sind kaum gute Ergebnisse zu erzielen. Je nach Gegebenheiten werden drei verschiedene Konzepte angewandt.
  • Konzept der passiven Mobilisation:
    Diese Konzept wird bei Patienten mit kombinierten Verletzungen angewandt (z.B nach Beugesehnennaht bei gleichzeitiger Nervenrekonstruktion). Die Fingergelenke werden dabei einzeln ausschließlich vom Behandler durchbewegt (nicht vom Patienten!). Die Sehnennaht wird dabei durch Beugung der angrenzenden Gelenke vom Zug entlastet.
  • Konzept der passiven Beugung und aktiven Streckung:
    Bei diesem Verfahren wird eine Bewegung der Sehnen dadurch erreicht,dass der Patient die Finger selbst aktiv streckt.Läßt der Patient die Streckung nach,werden die Finger ohne Zutun des Patienten durch Gummizügel oder Federn gebeugt,die an dern Fingernägeln befestigt sind.Dadurch entsteht an den Beugesehnen kein Zug. Der Patient wird dazu mit einer speziellen Schiene versorgt, die das Handgelenk und die Fingergrundgelenke in Beugestellung hält und an der die Gummizügel und ihre Führung befestigt sind.
  • Konzept der aktiven Beugung und Streckung:
    Bei Beugesehnendurchtrennung in Höhe des Endgliedes kann durch spezielle Nahttechnik eine Zugfestigkeit erreicht werden, die ein frühzeitiges aktives Strecken und Beugen des betroffenen Fingers erlaubt. Auch hierbei wird der Patient zur Entlastung der Sehne mit einer Schiene versorgt. In dieser Schiene ist Beugung und Streckung durch den Patienten ausschließlich ohne Widerstand erlaubt.
  • Heilungsdauer:
    Sechs Wochen nach der Naht ist eine vorsichtige aktive Teilbelastung der Sehnennaht möglich. Die volle Belastbarkeit wird nach 12 Wochen erreicht.
  • Komplikationen:
    - Riß der Sehnennaht (z.B. durch zu frühe Belastung, bis 10% der Fälle). Therapie: erneute Operation und Naht der Sehne oder Sehnentransplantation.
    - Verklebung der Sehne mit umgebendem Gewebe. Therapie: Intensive krankengymnastische Behandlung und Ergotherapie zur Lösung und Aufdehnung der Verklebungen. Sollte dies erfolglos bleiben, kann frühestens nach ca.6 Monaten eine operative Lösung der Verklebungen (Tenolyse) durchgeführt werden.Bei zu frühzeitiger Operation im noch aktiven Narbenstadium ist die Gefahr für erneute Verwachsungen deutlich erhöht.
    - Infektion. Therapie: Ruhigstellung, Eröffnung der Wunde, Antibiotika. Die erzwungene Ruhigstellung verschlechtert die Gleitfunktion. Sofern die Sehnennaht nicht gerissen ist, kann eine Lösung der Verklebung versucht werden. In der Regel ist jedoch eine zweizeitiger Beugesehnenverpflanzung erforderlich (siehe oben).
  • Erfolgsaussichten:
    Im Idealfall kann eine freie Sehnenfunktion ohne Bewegungsbehinderung erreicht werden. Folgende Faktoren haben einen starken Einfluß auf das Ergebnis:
    - Art der Verletzung
    - Ort der Verletzung
    - Begleitverletzungen
    - Mitarbeit des Patienten bei der Nachbehandlung
Schlechtere Ergebnisse sind zu erwarten bei Verletzungen in Höhe der Sehnenscheiden (besonders große Gefahr der Verklebung), stumpfer Durch- trennung oder Quetschung der Sehne (Schädigung des Sehnengewebes und der Druchblutung), begleitenden Weichteilschäden und Knochen- verletzungen. Gute Ergebnisse sind bei scharfer Durchtrennung außerhalb der Sehnenscheiden zu erwarten (90 % gute bis sehr gute Ergebnisse).

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